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(Presseaussendung vom 16.06.2014 – Langversion)

90% der Österreicherinnen und Österreicher messen gemeinnützigen Organisationen einen hohen Stellenwert zu, ergibt eine Studie über Rahmenbedingungen für zivilgesellschaftliches und gemeinnütziges Engagement in Österreich.

Wien (OTS). Die Interessenvertretung Gemeinnütziger Organisationen (IGO) präsentiert mit dem Bericht „Civil Society Index“ (Zivilgesellschaftsindex) erstmals eine international fundierte Analyse der Rahmenbedingungen für zivilgesellschaftliches Engagement in Österreich. Aus diesem Anlass findet heute auf Einladung von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer im österreichischen Parlament eine Diskussionsveranstaltung mit Beiträgen von Sozialminister Rudolf Hundstorfer und VertreterInnen der Parlamentsparteien statt.

9 von 10 ÖsterreicherInnen schreiben gemeinnützigen bzw. Nonprofit-Organisationen (NPOs oder NGOs) einen sehr hohen oder eher hohen Stellenwert zu, mehr als jeder Zweite rechnet sogar mit einer Zunahme ihrer Bedeutung in den nächsten Jahren. 58 Prozent sagen, dass gemeinnützige Organisationen das Alltagsleben vieler Men-schen bereichern. Genauso viele sehen den Staat durch sie entlastet. Gesundheit und soziale Dienste stehen dabei an erster Stelle, gefolgt von Familie, Kinder und Jugend. Vor allem jüngere Menschen halten NGOs bei den Themen Menschenrechte und Bildung für sehr wichtig. Das sind nur einige der Ergebnisse einer repräsentativen Telefonumfrage, die das Marktforschungsinstitut market im Auftrag der Interessenvertretung Gemeinnütziger Organisationen (IGO) durchgeführt hat. Gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum für Nonprofit-Organisationen und Social Entrepreneurship an der WU Wien hat die IGO die demokratischen Rahmenbedingungen, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit, Menschen- und Bürgerrechte, steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Bedingungen für gemeinnützige Organisationen sowie die Vergabe öffentlicher Mittel in Österreich untersucht.

„Mit 212.000 Beschäftigten und einer jährlichen Wertschöpfung von 5,9 Milliarden Euro ist der Dritte Sektor ein bedeutender gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Faktor, über den wir aber im Vergleich zu anderen Sektoren noch sehr wenig wissen“, sagt Ruth Simsa, Leiterin des NPO Kompetenzzentrums und eine der AutorInnen des Berichts.

Die Verfasstheit der Demokratie ist formal in Ordnung, könnte in der Praxis aber besser sein. „Verstärkte Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger und Bürgerinnen am politischen Prozess könnten dazu beitragen der Politikverdrossenheit entgegenzuwirken und gleichzeitig das enorme Know-How zivilgesellschaftlicher Initiativen zu nutzen“, so Simsa weiter.

Die Existenz von mehr als 110.000 Vereinen zeigt, dass es um die Vereinigungsfreiheit gut bestellt ist. Bedenklich ist hingegen, dass der seit langem kritisierte Paragraph 278 StGB immer noch die Kriminalisierung zivilgesellschaftlichen Handelns ermöglicht. Ähnliche Tendenzen werden bei der Versammlungsfreiheit erkannt. Projektleiterin Romy Grasgruber-Kerl (IGO): „Repressive Maßnahmen seitens der Sicherheitsbehörden – wie wir sie jetzt vor, während und nach Versammlungen beobachten – sind im Sinne einer lebendigen Demokratie unbedingt zu vermeiden.“

Was die Finanzierung von gemeinnützigen Organisationen angeht, wird in dem Bericht einmal mehr festgestellt, dass Österreich insofern einen Sonderfall darstellt, als hier nur zwischen 1-5 Euro pro Jahr und Einwohner aus Stiftungen für gemeinnützige Zwecke ausgeschüttet werden, während es beispielsweise in Deutschland 180-230 Euro sind. Die Abhängigkeit von der öffentlichen Hand ist daher in Österreich mit 53 % der Einnahmen relativ hoch. In Deutschland sind 95 Prozent der Stiftungen gemeinnützig und nur 5 Prozent eigennützig. In Österreich ist dieses Verhältnis genau umgekehrt.

Im Steuerrecht existiert zwar eine Reihe von Vorteilen für gemeinnützige Organisatio-nen, bei dessen Anwendung gibt es aber nur bedingte Rechtssicherheit. Das liegt unter anderem daran, dass die steuerliche Begünstigung nicht im Vorfeld bestätigt wird, aber durch die Finanzbehörde – oft auch nur aus formalen Gründen – rückwirkend aberkannt werden kann. Oder wie es einer der in dem Bericht zitierten Steuerexperten drastisch formuliert: „Einer sitzt auf dem längeren Ast und hat eine Säge in der Hand, um den Ast abzuschneiden“.

Ein besonderes Merkmal von NPOs sind die Freiwilligen, die für diese Organisationen tätig sind: rund 3,3 Millionen Menschen sind in Österreich  ehrenamtlich tätig. Auch hier besteht keine ausreichende Rechtssicherheit, beispielsweise wenn sich gemeinnützige Einrichtungen im Bereich des Rettungswesens und der Daseinsvorsorge zu großen Teilen auf freiwillige MitarbeiterInnen stützen und diese dazu in ihre Dienstpläne aufnehmen. So ist eben in Tirol ein Fall bekannt geworden, bei dem die Gebietskrankenkasse die Ansicht vertritt, dass für die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen einer Hilfsorganisation Sozialversicherungsbeiträge zu bezahlen sind. Ähnliches droht auch bei längeren freiwilligen Einsätzen im Ausland.

NPOs stellen eine Vielzahl an Dienstleistungen bereit, vielfach auch dadurch bedingt, dass der Staat vormals selbst angebotene Dienstleistung zunehmend an private Organisationen auslagert. Die öffentliche Hand übernimmt zwar in weiten Teilen die Finanzierung, allerdings sind die Rahmenbedingungen dafür sehr unterschiedlich. Problematisch ist, dass gemeinnützige Organisationen hierbei oft mit gewinnorientierten Anbietern in Konkurrenz treten, die sich in ihren Zielsetzungen und in ihrer Arbeitsweise sehr stark unterscheiden. NPOs erzeugen ihrem ideellen Zweck entsprechend häufig eine Vielfalt an positiven externen Effekten, die beim Vergabeverfahren jedoch nicht zum Tragen kommen. Dort wo gemeinnützige Organisationen den Zuschlag erhalten, klagen sie häufig über fehlende Indexanpassung, Einschränkungen bei der Finanzierung von Overheadkosten, fehlende Planungssicherheit durch einjährige Verträge und langsame Entscheidungsprozesse seitens der öffentlichen Hand, sowie späte Zahlungen.

In den letzten Jahren gab es einige Bemühungen, die Transparenz bei der Vergabe von Leistungsverträgen und Förderungen zu erhöhen, ein Beispiel dafür ist die stufenweise Erstellung eines Transparenzportals, mit dem Ziel, eine einheitliche Darstellung aller bundesweit angebotenen Förderleistungen zu schaffen, Informationen über infrage kommende zukünftige Förderungen zu geben und den Einreichprozess zu unterstützen. Wenig bis keine Transparenz gibt es über die Entscheidungen, zu welchen Konditionen Aufträge letztlich vergeben wurden und warum ein Auftragnehmer den Auftrag erhalten hat.

Dringenden Handlungsbedarf gibt es laut IGO-Geschäftsführer Franz Neunteufl vor allem bei der Rechtssicherheit und Transparenz im Zusammenhang mit hoheitlichen Entscheidungen. Davon betroffen sind insbesondere das Versammlungsrecht, das Steuerrecht, das Sozialversicherungsrecht und das Vergaberecht: „Diese Mängel zu beseitigen kostet nichts, sondern reduziert im Gegenteil den Verwaltungsaufwand, schafft Klarheit und steigert die Effizienz.“ Neunteufl weiter: „Wir wünschen uns vom Staat, dass er so wie 90 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher die wichtige Rolle und die Leistungen der gemeinnützigen Organisationen und der Freiwilligen wertschätzt und fördert.“

Wie das gelingen kann, dafür enthält der Bericht mehr als 40 konkrete Vorschläge. Einige davon, wie die bessere Einbeziehung zivilgesellschaftlicher Organisationen in politische Entscheidungsprozesse oder die Förderung des gemeinnützigen Stiftungswesens sind auch bereits im Regierungsprogramm enthalten und warten nur noch auf ihre Umsetzung.

Rückfragehinweis:
– DI Franz Neunteufl, Interessenvertretung Gemeinnütziger Organisationen (IGO), franz.neunteufl@gemeinnuetzig.at, Tel. 0664 5747584.
– Mag.a Romy Grasgruber, Interessenvertretung Gemeinnütziger Organisationen (IGO), romy.grasgruber-kerl@gemeinnuetzig.at, Tel. 0650 5234835.

Am 13. Februar 2015 luden das NPO & SE  Kompetenzzentrum der WU, die IGO und der FVA zur Studienpräsentation von MMag. Dr. Sabine Heidenbauer über “ausgewählte Kernthemen des Gemeinnützigkeitsrechts im Rechtsvergleich (Deutschland, Schweden, Schweiz)” in den Festsaal der  Wirtschaftsuniversität ein. Dem Ländervergleich lag die Überlegung zugrunde, dass die ausgewählten Staaten – nicht zuletzt aufgrund ihrer Ähnlichkeit zu Österreich – Vorbildcharakter für uns haben könnten, “was sich in vielen Punkten bestätigte”.

„Die steuerrechtlichen Bestimmungen sind ausschlaggebend dafür, dass Österreich im Stiftungssektor immer noch Entwicklungsland ist“, meinte Michael Meyer bei seiner Einführung ins Thema. Er ließ keinen Zweifel über die Notwendigkeit in naher Zukunft ein gemeinnützigkeitsfreundlicheres Regime für Österreich zu schaffen. Welche internationalen Vorbilder es möglicherweise dafür gibt, zeigte Dr. Heidenbauer  anhand von vier unterschiedlichen Kernthemen  auf:  Unmittelbarkeitsgebot, Ausschließlichkeitsgebot, Gemeinnützigkeitsbescheid & Aufsichtsbehörde sowie KESt-Befreiung.

Das Unmittelbarkeitsgebot sieht in Österreich vor, dass lediglich jene Körperschaften (Vereine, Stiftungen, GesmbHs)  von Steuervorteilen profitieren,  die direkt und unmittelbar  einen gemeinnützigen Zweck erfüllen. Die Förderung gemeinnütziger Zwecken ist nicht begünstigt. So ist beispielsweise die Ausschüttung von Geldern an gemeinnützige Vereine „gemeinnützigkeitsschädlich“, d.h. die Körperschaft verliert dadurch ihren Gemeinnützigkeitsstatus. In Deutschland gibt es zwar auch ein Unmittelbarkeitsgebot, jedoch findet man dort  eine sehr breite Liste an Ausnahmeregelungen, die es gemeinnützigen Körperschaften  ermöglicht, fördernd tätig zu werden. Schweden und die Schweiz kennen kein Unmittelbarkeitsgebot. Keines der drei untersuchten Länder hat ein ähnlich rigides System wie Österreich.

Das Ausschließlichkeitsgebot sieht in Österreich und Deutschland vor, dass es Organisationen neben der Erfüllung ihres gemeinnützigen Zwecks nicht möglich ist andere Zwecke zu verfolgen ohne ihren Gemeinnützigkeitsstatus und damit einhergehende Steuervorteile zu verlieren. In Schweden existiert kein Ausschließlichkeitsgebot. Eine gemischte Zweckverfolgung mit entsprechender bloß teilweiser Steuerbefreiung ist dort zulässig. Gemeinnützige Zwecke müssen aber „ausschließlich oder fast ausschließlich“ verfolgt werden. Auch in der Schweiz wird das Ausschließlichkeitsgebot nicht so rigide gehandhabt wie in Österreich. Zwar gab es dort Anfang der 80er Jahre eine solche Diskussion, jedoch hat man sich damals bewusst gegen eine Ausschließlichkeit entschieden.

Da es Österreich keinen im Vorhinein erteilten verbindlichen Gemeinnützigkeitsbescheidgibt, leiden Vereine unter Rechtsunsicherheit und sehen sich im schlimmsten Fall mit Nachforderungen der  Finanzbehörden konfrontiert. Anders sieht die Situation in Deutschland aus. Hier gibt es seit 2013 einen verbindlichen Feststellungsbescheid, der auf Antrag von Amtswegen ergeht. Er bestätigt die Gemeinnützigkeit von Körperschaften im Vorhinein und ermöglicht damit Rechtssicherheit. Schweden verfügt wie Österreich über keinen Bescheid. In der Schweiz gibt es eine von den Steuerbehörden ausgestellte Feststellungsverfügung, die  ebenfalls die Voraussetzungen für die Steuerbefreiung wegen Gemeinnützigkeit bestätigt. Damit ist  Rechtssicherheit in der Schweiz gegeben.

Gemeinnützige Organisationen unterliegen in Österreich der beschränkten Steuerpflicht und damit auch grundsätzlich der Kapitalertragsteuer (KESt). Ausgenommen sind lediglich Einkünfte aus einem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb, sofern dieser unmittelbar der Zweckerfüllung dient (unentbehrlicher Hilfsbetrieb).

In Deutschland sind dagegen auch der ideelle Bereich und die Vermögensverwaltung von der Steuerpflicht befreit. Steuerpflichtig sind nur wirtschaftliche Geschäftsbetriebe, die keine Zweckbetriebe sind. Auch in Schweden sind Dividenden und Zinsen von gemeinnützigen Organisationen grundsätzlich steuerbefreit. In der Schweiz unterliegen Erträge aus dem Kapitalvermögen gemeinnütziger Organisationen zunächst einer allgemeinen Verrechnungssteuer von 35 %, diese wird aber bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen rückerstattet.

Zusammenfassend wurde durch die Studie deutlich, dass die untersuchten Steuerregime wesentlich gemeinnützigkeitsfreundlicher und vielfach auch einfacher zu administrieren sind, als das österreichische Gemeinnützigkeitsrecht. In der auf die Präsentation folgenden Diskussion wurde daher auch bedauert, dass keiner der eingeladenen Beamten aus der Steuersektion des BMF der Einladung gefolgt war.

Im Sommer 2013 haben wir Geschäftsführer/innen, Obleute und andere Leitungsverantwortliche gemeinnütziger Organisationen gefragt, wo sie den größten Handlungsbedarf bei den gesetzlichen, insbesondere steuerlichen und sonstigen finanziellen Rahmenbedingungen für ihre Arbeit sehen.

Von 765 Geschäftsführer/innen, Obleuten und anderen Leitungsverantwortlichen haben 256, also ein Drittel, an der Umfrage teilgenommen und damit gezeigt, dass wir mit unseren Fragen einen Nerv getroffen haben:

Klar ist, dass es insbesondere bei den Leistungs- und Förderverträgen mit der öffentlichen Hand, im Bund und in den Ländern, enormen Handlungsbedarf gibt. Niemand ruft hier nach Almosen, sondern es werden vor allem mehr Fairness und ein partnerschaftlicherer Umgang von den öffentlichen Stellen verlangt. Kritisiert wird insbesondere die große Planungsunsicherheit und das hohe Risiko für die Verantwortlichen in den gemeinnützigen Organisationen durch jährlich neu zu verhandelnde Verträge, verspätete Finanzierungszusagen (die oft erst im 3. Quartal erfolgen) und die mangelnde Kostendeckung (Indexanpassung) bei gleichbleibenden oder sogar steigenden Leistungen.

Für die amtliche Feststellung der Gemeinnützigkeit und damit größere Rechtssicherheit gibt es eine klare Mehrheit, sofern dies nicht mit höheren Kosten für die Organisationen verbunden ist. Überraschend: die Mehrzahl der Geschäftsführer/innen und Obleute hält die derzeitigen steuerlichen Begünstigungen der Gemeinnützigen für ausreichend. Bei den anderen steht der Wegfall der Umsatzsteuer ganz oben auf der Wunschliste, gefolgt von einer Streichung der KESt und der Kommunalsteuer. Eine Ausweitung der Spendenabsetzbarkeit wird vor allem für die Bereiche Erwachsenenbildung, Tierschutz und Kultur verlangt.

Ein klares Ja sagen die Befragten zu steuerlichen Anreizen für Stiftungen, damit diese sich mehr als bisher gemeinnützig engagieren. Auch die Frage, ob es gemeinnützigen Organisationen leichter gemacht werden soll, Darlehen und finanzielle Beteiligungen von Privatpersonen anzunehmen, wird mehrheitlich bejaht.

Die Rechenschafts- und Informationspflicht gemeinnütziger Organisationen hält eine klare Mehrheit der Befragten in der derzeitigen Form für ausreichend. Viele kritisieren den damit verbundenen Aufwand und die hohen Prüfkosten. Es gibt aber auch einige (selbst)kritische Stimmen, die strengere Prüf- und Transparenzkriterien und Maßnahmen zur Verhinderung von Missbrauch (Compliance) bei gemeinnützigen Organisationen fordern.

Die Umfrageergebnisse liefern der IGO ein interessantes Stimmungsbild und eine wichtige Orientierung. Insbesondere die Frage nach der Gestaltung der Beziehungen zwischen der öffentlichen Hand als Förder- oder Auftraggeberin und gemeinnützigen Organisationen als Förderbeziehern bzw. Leistungserbringern verdient demnach höhere Aufmerksamkeit. Bei den anderen Fragen fühlen wir uns weitgehend in unserer bisherigen Arbeit bestätigt.

Wir laden alle gemeinnützigen Organisationen ein, mit uns gemeinsam an weiteren Verbesserungen zugunsten „der Gemeinnützigen“ zu arbeiten und uns dabei nach Kräften – ideell und materiell – zu unterstützen!

“Dank zivilgesellschaftlicher Kräfte sind in den letzten beiden Dekaden wesentliche gesellschaftliche Fortschritte erzielt worden” resümiert Dr. Bernhard Drumel in seinem für die IGO erstellten Bericht zu exemplarischen Erfolgen zivilgesellschaftlicher Initiativen.

“Zivilgesellschaft bewegt” beleuchtet jene Errungenschaften, die laut den AutorInnen Dr. Bernhard Drumel und Mag.a Romy Grasgruber, ohne zivilgesellschaftliches Engagement nicht oder nicht in diesem Ausmaß erzielt worden wären.

Damit soll erstmals  ein Überblick über die politischen Wirkungen zivilgesellschaftlicher Initiativen gegeben werden. Der Bericht fußt weitestgehend auf Basis von 27 Interviews und zwei Workshops mit wichtigen ProtagonistInnen und Stakeholdern von Advocacy-Organisationen sowie ExpertInnen der organisierten Zivilgesellschaft. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und zeigt eine exemplarische Auswahl von politischen Erfolgen. Damit dient er als erster Aufschlag für eine kontinuierliche Dokumentation zivilgesellschaftlicher Errungenschaften.

Erfasst wurden vor allem politische Erfolge im Sozial-, Menschenrechts-. Umwelt- und Tierschutzbereich. Erfolge sind genauso relativ wie ein Glas halb voll oder halb leer ist. Einerseits können die Erfolge der einen die Misserfolge der anderen sein . Zum andern liegen in vielen der angesprochenen Bereiche Anspruch der Zivilgesellschaft und aktuelle, politische Realität auseinander. In allen angesprochenen Bereichen besteht augenscheinlich weiterer Handlungsbedarf.  Dies soll aber die erzielten Fortschritte nicht schmälern, ganz im Gegenteil: in einigen Fällen ist es erstaunlich, dass bei so starkem Gegenwind seitens entgegenlaufender Interessen überhaupt etwas bewirkt werden konnte.

Zusammenfassung
In den letzten beiden Dekaden haben es Organisationen und Initiativen aus der Zivilgesellschaft geschafft, unsere Gesellschaft positiver zu gestalten.  Neben ganz konkreten Leistungen, wie  Hilfestellungen für benachteiligte Menschen, haben sie auch durch politische Advocacy Arbeit im Sinne der Grund- und Freiheitsrechte und gemeinsamer Werte konkrete Erfolge erzielt.
Dies wurde zum Großteil gegen den Willen der regierenden Kräfte in der Politik erreicht– und zum Teil auch, indem öffentliches Bewusstsein für tabuisierte Themen geschaffen wurde. Vielfach in Allianzen innerhalb des Sektors, zum Teil in Kooperation mit fortschrittlichen Kräften in der Wirtschaft oder anderen gesellschaftlichen AkteurInnen und vielfach mit Medien als Verstärkern und Multiplikatoren.

Einige Beispiele für maßgebliche Erfolge:
1. Ethisches Konsumverhalten

2. Umwelt-und Klimaschutz

3. Gewaltschutz

4. Gleichbehandlung

5. Armutsbekämpfung

6. Anti-Rassismus

7. Migration- und Fremdenrecht
9. Gerechterer Rahmen für eine globalisierte Wirtschaft

Mit Blick auf diese beispielhaften Erfolgsgeschichten und im Bewusstsein, dass es davon noch viele mehr gibt, plädiert Bernhard Drumel für ein Vier-Säulen-Modell zur Stärkung der organisierten Zivilgesellschaft!

Die IGO lädt ein dieses Projekt der Dokumentation von Erfolgsgeschichten weiterzuentwickeln.

Sollten Sie eine wichtige Erfolgsgeschichte in der Darstellung vermissen, schicken Sie Ihre Darstellung an: Romy Grasgruber-Kerl.

Hier geht’s zum Download des vollständigen Berichts

14. November 2012: Neue „Interessenvertretung Gemeinnütziger Organisationen – IGO“ will bessere Rahmenbedingungen für Gemeinnützige erreichen

Pressaussendung IGO: Wien am 14.11.2012 –

Im Rahmen ihrer heutigen Pressekonferenz  präsentierte die runderneuerte „Interessenvertretung Gemeinnütziger Organisationen -IGO“ (früher IÖGV) einen ersten Lagebericht zur Zivilgesellschaft in Österreich unter dem Titel „Zivilgesellschaft bewegt“. Aus dem zweiteiligen Bericht geht hervor, dass gemeinnützige Organisationen neben ihren sozialen Leistungen wahre Beschäftigungs- und Wertschöpfungs-Multiplikatoren sind. Viele Errungenschaften in den Bereichen ethisches Konsumverhalten, Umwelt- und Tierschutz, Gewaltschutz oder Armutsbekämpfung wären ohne eine lebendige Zivilgesellschaft undenkbar.

Franz Neunteufl, IGO-Geschäftsführer, unterstreicht daher die Wichtigkeit einer entsprechenden Förderung der gemeinnützigen Organisationen durch Politik und Wirtschaft.

Als Beispiele nannte er weitere Steuererleichterungen und die Senkung der Bankgebühren für NPOs.

Im Juli 2012 führte das NPO-Kompetenzzentrum an der WU-Wien im Auftrag der IGO eine Studie zu derzeitigen Entwicklungen im Nonprofit-Sektor durch.  Im Zuge der Erhebungen wurden 53 Organisationen zu ihren Einschätzungen befragt.

Univ. Prof. Dr. Ruth Simsa vom NPO-Kompetenzzentrum (WU Wien) berichtet, dass viele NPOs derzeit von Kürzungen der öffentlichen Finanzierung betroffen sind. Gleichzeitig gibt es aber einen Trend zur Privatisierung sozialer Leistungen. Simsa: „Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Probleme sind Investitionen in NPOs aber nicht nur sozial, sondern auch ökonomisch sinnvoll. NPOs sind Beschäftigungs- und Wertschöpfungsmultiplikatoren und sie bieten den Rahmen für wöchentlich ca. 8 Millionen Stunden an Freiwilligenarbeit.“ Untersuchungen zum ‚Social Return on Investment’ einzelner NPOs  zeigen, dass ein investierter Euro in NPOs Wirkungen im Wert von bis zu 10,2 Euro bringen kann. Simsa weiter: „Die Nachfrage nach Dienstleistungen des Gesundheits- und Sozialwesens im Wert von 1 Mio. Euro schafft 17 Arbeitsplätze. Die Sozialwirtschaft ist somit  einer der Bereiche mit der stärksten Beschäftigungswirkung.“ Zum Vergleich: Eine Investition von einer Million Euro schafft im Energiebereich nur 3,8, im KFZ-Bereich 4,6 und im Bau 10 Arbeitsplätze.

Dr. Bernhard Drumel, NGO-Experte und Akteur der Zivilgesellschaft,  jetzt aktiv bei supportingchange.org, widmet sich im zweiten Teil der Studie vor allem der Arbeit von Advocacy Organisationen. Aus den zwischen Juli und Oktober 2012 mit 40 NGO-VertreterInnen geführten Interviews und Gruppendiskussionen resümiert er: „Dank zivilgesellschaftlicher Kräfte sind in den letzten beiden Dekaden wesentliche gesellschaftliche Fortschritte erzielt worden. Ohne Mobilisierung wie durch das Gentechnik-Volksbegehren wären Österreichs Felder und Regale nicht gentechnikfrei. Das Einmahnen von internationalen Verpflichtungen wie bei der UN Frauen- oder Behindertenrechts-Konvention und das breite Wirken von Allianzen wie der Armutskonferenz oder dem Netzwerk Kinderrechte hat die Politik in diesen Bereichen entscheidend mobilisiert. Ohne den Einsatz von Organisationen gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung würden viele Menschen in Österreich noch stärker marginalisiert. Gerade in der aktuellen Politik-, Bildungs- und Verteilungskrise ist eine lebendige, starke Zivilgesellschaft daher ein unverzichtbarer Faktor für die positive Entwicklung der gesamten Gesellschaft.“

Drumel plädiert deshalb für vier Maßnahmen-Bündel zur Förderung einer lebendigen Zivilgesellschaft im „Europäischen Jahr der Bürger und Bürgerinnen“ 2013:

  • Klares Bekenntnis der Politik zu einer lebendigen, kritischen Zivilgesellschaft und Sicherung des dafür notwendigen demokratischen Raums.
  • Schaffung neuer Formen von echter demokratischer Mitgestaltung.
  • Stärkung der Unabhängigkeit des zivilgesellschaftlichen Sektors.
  • Investition zur Förderung von ‚Active Citizenship’ und Ermutigung von mehr zivilgesellschaftlichem Engagement.

IGO-Geschäftsführer DI Franz Neunteufl stellte den neuen Auftritt der Interessenvertretung von 27 führenden gemeinnützigen NPOs vor  und gab einen Ausblick auf die kommenden Arbeitsschwerpunkte: „Wir starten mit einem neuen Team und neuem Branding der ‚IGO’  durch. Die Unterstützung des Spendengütesiegels und damit der Spendensicherheit in Österreich sowie die Forderung nach Spendenbegünstigung für alle unsere Mitglieder bleiben wichtige Teile unserer Arbeit. Neu dazu kommen 2013 die Forderung nach weiteren steuerlichen Erleichterungen für Gemeinnützige, insbesondere auch nach einer verstärkten Förderung gemeinnütziger Privatstiftungen durch die öffentliche Hand, sowie der Einsatz für eine deutliche Senkung der Bankgebühren für  unsere Mitglieder. Unser Ziel ist es, möglichst viele Spendengelder für Hilfsprojekte und Kampagnen-Arbeit zu sichern. Die Verhandlungen mit den größten Banken des Landes sind hier schon sehr weit gediehen.“

Abschließend sprach Neunteufl gegenüber Politik und Wirtschaft eine Einladung zu einem Dialog für verbesserte Rahmenbedingungen für die Gemeinnützigen in Österreich aus: „Wir werden mit freundlichem Nachdruck den Respekt und den Stellenwert einfordern, den die Arbeit der Gemeinnützigen verdient!“

Weitere Informationen:

DI Franz Neunteufl (Interessenvertretung Gemeinnütziger Organisationen): Tel.: 0664 5747584, franz.neunteufl@gemeinnuetzig.at

Matthias Schickhofer (Mediensupport – supportingchange.org): Tel.: 0699-112 971 84, matthias.schickhofer@supportingchange.org

Website: www.gemeinnuetzig.at

Download Bericht „Zivilgesellschaft bewegt“: http://www.gemeinnuetzig.at/zivilgesellschaft_bewegt

 

* Die Interessenvertretung Gemeinnütziger Organisationen -IGO, früher IÖGV, vertritt 27 führende NPOs aus den Bereichen Menschenrechte, Humanitäre Hilfe, Soziales, Kinder und Jugend, Kultur, Entwicklungszusammenarbeit, Umweltschutz und Tierschutz.

Das NPO Kompetenzzentrum an der WU Wien hat NPO Geschäftsführer/innen nach ihrer Einschätzung derzeitiger gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen gefragt. Sie wurden auch gefragt, wie sich die für sie wesentlichen Rahmenbedingungen verändert haben.

Der Bedarf nach Leistungen der NPOs ist in den letzten Jahren gestiegen – sowohl quantitativ als auch qualitativ.

Die Studie der WU und der IGO zeigt, dass für den überwiegenden Anteil der Organisationen der Bedarf nach ihren Leistungen gestiegen ist.

  • 80% haben ihr quantitatives Angebot gesteigert.
  • Über 80% bieten ein größeres Spektrum an Leistungen an, als noch vor ein paar Jahren etwa Vernetzungsarbeit, Beratungstätigkeiten, Ansprechen neuer Zielgruppen oder den Aufbau neuer Bereiche.

Das politische Klima hat sich für die befragten Organisationen in den letzten Jahren verschlechtert

  • Für die Zivilgesellschaft insgesamt sehen die befragten Organisationen deutlich schlechtere Bedingungen.

Too big to fail – Der Sozialstaat als wichtige Rahmenbedingung

  • Organisationen beobachten Veränderungen in der Finanzierungsstruktur. Öffentliche Subventionen gehen zurück, Leistungsverträge mit der öffentlichen Hand nehmen zu.
  • Ein funktionierender Sozialstaat ist eine wichtige Rahmenbedingung für die erfolgreiche Arbeit vieler NPOs.
  • 53% der Einnahmen von NPOs sind von der öffentlichen Hand – dieses Geld ist sozial und wirtschaftlich nutzbringend eingesetzt.
  • NPOs und Freiwilligenarbeit können einen schwächer werdenden Sozialstaat nicht kompensieren.
  • In Europa gibt es mehr Freiwilligenarbeit in Staaten mit geringeren Einkommensunterschieden, stärkerer Urbanisierung und höheren Sozialausgaben.

Hier geht’s zum Download des vollständigen Berichts

Non-Profit Organisationen (NPO) erbringen nicht nur wertvolle Leistungen für die Gesellschaft. Sie sind auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor stellt das NPO-Kompetenzzentrum im Auftrag der IGO fest.

Der Nutzen der NPOs für die Gesellschaft wird meist unterschätzt.

  • NPOs leisten massive Beiträge für das Alltagsleben vieler Menschen, wie auch für die Wirtschaft.
  • Ein funktionierendes Vereinswesen sowie hohe Bürgerbeteiligung sind die Eckpfeiler einer starken Demokratie.
  • Untersuchungen zum Social Return on Investment (SROI) einzelner NPOs zeigen, dass ein investierter Euro in NPOs Wirkungen im Wert von bis zu 10,2 Euro bringt. SROI-Werte zwischen mind. 3,5 bis 4,5 sind der Normalfall.

NPOs haben bedeutende Beschäftigungswirkungen

  • Sie ermöglichen Beschäftigungswachstum:  Die Anzahl von Vertragsverhältnissen stieg zwischen 2000 und 2010 um ca. 39% (Anstieg insgesamt: 7%)
  • 2010 arbeiteten 5,2% aller in Erwerbstätigen in NPOs.
  • In Vollzeitäquivalenten waren im Jahr 2001 85.570 Beschäftigte in NPOs tätig.

NPOs bieten den Rahmen für Freiwilligenarbeit

  • 2006 waren 27,9% der ÖsterreicherInnen im Rahmen von NPOs freiwillig tätig.  Wöchentlich haben sie dabei fast 8 Mio. Stunden unbezahlte Arbeit geleistet.
  • Dies entspricht knapp 230.000 Vollzeitbeschäftigten bzw.  6% der unselbstständigen Erwerbstätigen.
  • Zu Durchschnittslöhnen bezahlt, würde dies 4.7 Mrd. Euro kosten.

Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Probleme sind Investitionen in NPOs bzw. Sozialorganisationen gesamtwirtschaftlich sinnvoll.

  • Sie sind ein Beschäftigungsmultiplikator: Die Nachfrage nach Dienstleistungen des Gesundheits- und Sozialwesens im Wert von 1 Mio. Euro schafft 17 Arbeitsplätze. Die Sozialwirtschaft ist somit der Bereich mit der drittstärksten Beschäftigungswirkung. Zum Vergleich: Eine Investition von 1 Million Euro schafft im Energiebereich nur 3,8, im KFZ-Bereich 4,6 und im Bau 10, Arbeitsplätze.
  • Wertschöpfungsmultiplikator: Die Erhöhung der Nachfrage nach Dienstleistungen um 1 Mio. Euro löst eine  Wertschöpfung von 873.600 Euro aus. (= Wert, um den der Output den Input übersteigt)

Hier geht’s zum Download des vollständigen Berichts

Hier geht’s zur Kurzfassung (inkl. Aktivitäten von IGO-Mitgliedern)