Fünf Jahre nach der Veröffentlichung der Studie „Civil Society Index – Rapid Assessment“ hat die IGO gemeinsam mit a.o. Univ. Prof. Dr.in Ruth Simsa vom Institut für Soziologie der Wirtschaftsuniversität Wien empirisch erhoben, wie sich Klima und Rahmenbedingungen für die Zivilgesellschaft in Österreich seither verändert haben. Im Fokus der Erhebung standen das allgemeine politische Klima in Bezug auf die Zivilgesellschaft, Demokratie und Partizipation, Grundrechte und Finanzierung. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Situation der Zivilgesellschaft seit 2014 deutlich verändert hat:

Allgemeines Klima:

In Bezug auf das allgemeine Klima lässt sich eine deutliche Polarisierung des Diskurses feststellen, Versuche der gezielten Einschüchterung, sowie eine zunehmende Delegitimierung zivilgesellschaftlicher Aktivitäten in Medien und von Seiten der Politik. Delegitimierung zivilgesellschaftlichen Handelns erfolgt durch Unterstellung von Profitinteressen, Abwertung der Arbeit, auch die Zunahme einer allgemein negativen, ausgrenzenden Rhetorik.

Die Überzeugung in der Bevölkerung, dass Nonprofit-Organisationen (NPOs) einen entscheidenden Beitrag für die Gesellschaft leisten, ist unverändert hoch. Fast jede/r zweite stimmt aber auch der Aussage zu, dass sie in letzter Zeit an Ansehen verloren haben und jede/r fünfte meint, dass sie sich selbst am Leid anderer bereichern.

Demokratie und Partizipation:

In Bezug auf Demokratie und Partizipation zeigt sich, dass CSOs deutlich weniger in Gesetzgebungsverfahren einbezogen werden. Begutachtungsfristen werden verkürzt, Initiativanträge verhindern Stellungnahmen, etc. Die Politik ist intransparenter geworden und sie kommuniziert kaum noch mit AkteurInnen der Zivilgesellschaft.

Grundrechte:

Grundrechte sind in Österreich im internationalen Vergleich gut ausgeprägt. Allerdings wurde die Versammlungsfreiheit in den letzten Jahren eingeschränkt, vor allem durch die Ausweitung der Anzeigefrist für Versammlungen, die Einrichtung von so genannten Schutzbereichen. Indirekte Auswirkung auf die Ausübung von Grundrechten haben zunehmende Bürokratisierung und mangelnde Rechtssicherheit in der Praxis.

Finanzielle Ressourcen:

Betrachtet man die Gesamtausgaben, mit denen die öffentliche Hand – zumeist über Leistungsverträge – bestimmte CSOs (mit)finanziert, dann hat sich nicht viel verändert. Eine detaillierte Betrachtung zeigt allerdings, dass es Veränderungen der Finanzierung gibt, die offensichtlich kritische und an Diversität orientierte CSOs betreffen. Vor allem in den Bereichen Migration, Kunst, Frauen-, Arbeitsmarkt- und Entwicklungspolitik haben diese CSOs zum Teil existenzbedrohende Einschränkungen der öffentlichen Finanzierung erfahren.

Bei der Transparenz der Mittelvergabe und im Vergaberecht kam es zuletzt zu einigen Verbesserungen, es bestehen aber noch Mängel bzw. Unsicherheiten bei der praktischen Anwendung. Verbesserungen gab es auch beim gemeinnützigen Stiftungsrecht, das Steuerrecht wurde dadurch aber noch einmal deutlich komplexer. Vorschläge von Beamten im Finanzministerium, CSO-VertreterInnen und Steuerexperten zu dessen Vereinfachung, Entbürokratisierung und Schaffung größerer Rechtssicherheit wurden von der neuen Regierung bisher nicht aufgegriffen.

Schlussfolgerungen:

Die Veränderungen ergeben in ihrer Gesamtheit ein klares Muster: Sie entsprechen den aus der Literatur bekannten Prozessen der Entwicklung autoritärer Regierungen. Österreich ist zwar eine grundsätzlich liberale Demokratie mit gut ausgeprägten Grundrechten, es gibt aber klar beobachtbare Tendenzen, das kritische Potenzial der Zivilgesellschaft sowie ihre Teilhabe an politischen Entscheidungsprozessen einzuschränken.

Politisch motivierte Finanzierungsentscheidungen hat es immer gegeben, ebenso unterschiedliche Auffassungen in Bezug auf erwünschte Partizipation sowie inhaltliche Konflikte zwischen Politik und Zivilgesellschaft. Die Politik des systematischen Zurückdrängens von Widerspruch, Protest und Vielfalt durch unterschiedlichste, ineinandergreifende Maßnahmen, widerspricht allerdings der österreichischen Tradition. Sie ist Ausdruck einer zunehmend autoritären, rechtspopulistischen Politik.

Die Demokratie in Österreich ist zwar nicht in einer Krise, sie funktioniert grundsätzlich gut, ist aber in ihrer Qualität bedroht. Es gilt, sie zu schützen. Einen wichtigen Beitrag dafür leistet die Zivilgesellschaft mit ihren vielfältigen Funktionen, von Hilfe bis Kritik. Dafür braucht es auch die Bewahrung geeigneter Rahmenbedingungen.

Hier können Sie den gesamten Bericht online lesen oder auch herunterladen:

Sie sind für einen Verein, ein soziales Unternehmen, eine gemeinnützige Stiftung oder eine andere zivilgesellschaftliche Organisation verantwortlich und stellen fest, dass sich die politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Ihre Tätigkeit – zum Besseren oder zum Schlechteren – verändert haben? Dann laden wir Sie ein, bis Ende Februar an unserer Online-Umfrage teilzunehmen und uns dabei zu helfen, diese Veränderungen objektiv zu erfassen und zu dokumentieren.

Die Umfrage ist Teil unserer Arbeit an der Neuauflage des 2014 erstmals veröffentlichten „Civil Society Index – Rapid Assessment: Rahmenbedingungen der Zivilgesellschaft in Österreich“, die planmäßig bis Ende März abgeschlossen sein wird. Der neue Bericht wird voraussichtlich Anfang April veröffentlicht.

Ziel dieser Umfrage ist es, die aus Interviews mit mehr als 50 Expert_innen bereits gewonnenen Erkenntnisse durch empirische Daten aus den betroffenen Organisationen zu ergänzen. Eingeladen zur Teilnahme sind die Leitungspersonen von zivilgesellschaftlichen Organisationen gleich welcher Größe und Rechtsform.

Die Umfrage erfolgt anonym. Wenn Sie jedoch über die Ergebnisse der Umfrage informiert werden wollen, geben Sie uns am Ende Ihren Namen und Ihre E-Mail Adresse bekannt. Vielen Dank!

Die regelmäßige Arbeit der IGO und des NPO & SE Kompetenzzentrums der WU Wien am Civil Society Index bringt erste Resultate zu Tage. Dank der fast vollständigen Datensammlung und Auswertung kann vorab gesagt werden: eine der größten Veränderungen der Rahmenbedingungen für die Zivilgesellschaft Österreichs betrifft das politische Klima.

Der CSI 2019 nimmt somit eine vorzeigbare Form an. Die Rohfassung des Berichts wird beim nächsten Stakeholder Workshop am 12. und 13. März begutachtet und diskutiert. Die Rückmeldungen der Teilnehmer_innen werden in den finalen Text einfließen. Eingeladen sind Personen, die entweder am ersten Stakeholder Workshop im Juni 2018 teilnahmen und/oder für den CSI 2019 interviewt wurden.

Zusätzlich gibt es die Möglichkeit die eigenen Erfahrungen online mitzuteilen. Die Inhalte betreffen die Kernthemen des Index, nämlich den Zustand der politischen, gesetzlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der organisierten Zivilgesellschaft sowie mögliche Verbesserungen dieser. Hier geht es zur Online-Umfrage.

Der CSI 2019 wird Anfang April veröffentlicht. Daraufhin soll eine Präsentation der wichtigsten Ergebnisse im Österreichischen Parlament das Projekt abschließen.

Wenn aktuelle Anlassfälle, in denen beispielsweise Mitglieder der Regierungsparteien öffentlich von der „Profitgier mancher NGO’s“ sprechen, zunehmen, könnte dies zu Verunsicherungen und Zweifeln bei Spender_innen führen. Umso wichtiger ist es, als gemeinnützige, Spenden sammelnde Organisation das österreichische Spendengütesiegel (OSGS) zu tragen, welches klar zur Glaubwürdigkeit beiträgt und Unterstellungen des falschen Umgangs mit Spenden entgegenwirkt.

Seit seiner Einführung im Jahr 2001 setzen zunehmend mehr Organisationen auf das Österreichische Spendengütesiegel, um transparent zu machen, dass die erhaltenen Spenden sicher und zielgerichtet ankommen. Das Gütesiegel wird anhand eines detaillierten Kriterienkatalogs von unabhängigen Prüfer_innen verliehen. Zudem finden einmal jährlich Kontrollen vor Ort statt, die feststellen, ob das Tragen des Siegels weiterhin gerechtfertigt ist.

Alle Organisationen, die berechtigt sind, das Spendengütesiegel zu führen, verwenden das Siegel beispielsweise auf Zahlscheinen, Plakaten und ihren jeweiligen Webpages. So kommen Organisationen ihrer Verpflichtung zur Transparenz gegenüber Spender_innen, der Öffentlichkeit und Partner_innen nach und können ihre Unabhängigkeit von staatlichen Stellen garantieren. Neben privaten Spender_innen, für die das Siegel ein sehr wichtiges Spendenmotiv ist, achten auch staatliche Institutionen auf das Vorhandensein des Siegels bei gemeinnützigen Organisationen. Durch ein neues Erklärungsvideo soll noch deutlicher werden, wofür das Siegel steht, wer es tragen darf und was es bewirkt.

Mehr Informationen zum österreichischen Spendengütesiegel unter https://www.osgs.at/.

 

 

Am 10. Dezember 1948 wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet. 70 Jahre danach werden in der EU zivilgesellschaftliche Organisationen unter Druck gesetzt. Das European Civic Forum ruft daher am 10.Dezember im Rahmen der Kampagne MEGA – Make Europe Great for All – zu einem internationalen Aktionstag auf, der den Mehrwert dieser Organisationen für unsere Gesellschaft verdeutlichen soll.

Jeden Tag trägt die Zivilgesellschaft entscheidend dazu bei, mehr Demokratie, Gleichheit und Solidarität für alle zu schaffen. Gleichzeitig werden Handlungsspielräume und Ressourcen für zivilgesellschaftliche Organisationen stetig reduziert. Wenn die kritische Rolle der Zivilgesellschaft missachtet und bedroht wird, schrumpft der gesamte demokratische Raum in Europa. So können die Versprechen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und der EU-Verträge ohne eine lebendige und anerkannte Zivilgesellschaft, die auf allen Ebenen aktiv und handlungsfähig ist, nicht eingehalten werden. Dies ist die Botschaft, die mit der Aktion am 10. Dezember sichtbar gemacht werden soll.

Aufruf zur Aktion am 10. Dezember 2018: „No Day without us“!

Alle zivilgesellschaftlichen Organisationen und Bürger_innen sind aufgerufen, den Kampf für Gerechtigkeit, Solidarität, Freiheit und Demokratie zu unterstützen. Symbolisch, aber sichtbar: „No Day without us“ in ganz Europa! Dies ist durch Online und Offline Aktivitäten möglich: So können Fotos mit dem Banner und Hashtag #NodayWithoutUs gepostet werden, die sich dann auch auf der Homepage des European Civic Forum finden und auf Facebook das Profil- und Titelbild spezifisch für diesen Tag angepasst werden. Sind diese Fotos bereits vor 10 Uhr vormittags online, besteht die Möglichkeit, dass diese auch in der Pressekonferenz des Forums am 10.12.18 in Brüssel Verwendung finden. Ebenso ist es möglich, Poster und Flyer auszudrucken und im öffentlichen Raum zu teilen.

Weitere Informationen und Anregungen unter:

https://megacampaign.eu/wp-content/uploads/2018/11/Action-pack_offline-activities.pdf

https://megacampaign.eu/wp-content/uploads/2018/11/Action-pack.pdf

Beziehungsstatus: Es ist kompliziert. Die organisierte Zivilgesellschaft und die EU

Während der österreichischen Ratspräsidentschaft hat die IGO, gemeinsam mit dem European Civic Forum zum Dialog über die aktuellen Herausforderungen für die organisierte Zivilgesellschaft in Österreich und in der Europäischen Union geladen.

Ein erst kürzlich veröffentlichter Bericht von Civil Society Europe zeigt, dass von der Europäischen Union eine größere Rolle bei der Wahrung demokratischer Grundsätze und die Festlegung von Leitlinien erwartet wird, um ein förderliches Umfeld für die Zivilgesellschaft zu gewährleisten.

Mittwoch, 21. November 2018

Der Artikel 11 des Lissabon Vertrages verpflichtet die „Organe“ – und dazu zählen auch der Europäische Rat und seine 28 Mitglieder – zu einem „offenen, transparenten und regelmäßigen Dialog mit den repräsentativen Verbänden und der Zivilgesellschaft”. Die Realität zeigt jedoch ein anderes Bild. In vielen Mitgliedsländern werden zivilgesellschaftliche Organisationen entweder missachtet oder sind offener Feindseligkeit ausgesetzt. Darüber hinaus schränkt die zunehmende Knappheit der öffentlichen Finanzierung die Möglichkeiten der organisierten Zivilgesellschaft ein, Maßnahmen zu ergreifen, um den Zugang zu Grundrechten für alle zu gewährleisten.

So stand der erste Tag der Veranstaltung ganz im Zeichen der Grundrechte und zivilgesellschaftlicher Handlungsspielräume in der europäischen Union. Hier geht’s zur Bildergalerie.

Begrüßung & Eröffnung der Veranstaltung durch

  • DI Franz NEUNTEUFL, IGO, Wien
  • Iva TARALEZHKOVA, Bulgarian Citizen Participation Forum, Sofia
  • Jean Marc ROIRANT, European Civic Forum, Paris

Panel 1 Grundrechte für und durch alle: Handlungsspielräume der Zivilgesellschaft in der Europäischen Union

Disskussionsbeiträge von

  • Veronika MORA, Hungarian Enviromental Partnership Foundation, Budapest
  • MMag.a Waltraud HELLER, European Fundamental Rights Agency, Wien
  • Dr. Vedran DZIHIC, Österr. Institut für Internationale Politik, Wien
  • Alexandrina NAJMOWICZ, European Civic Forum, Paris (Moderation)

Panel 2Finanzierung zivilgesellschaftlicher Aktivitäten durch die öffentliche Hand: Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel

Disskussionsbeiträge von

  • Mag.a Judith PÜHRINGER, arbeitplus, Wien
  • Jean Marc ROIRANT, Europäischer Wirtschafts- und Sozialausschuss, European Civic Forum & Civil Society Europe, Brüssel
  • Dr.in Daniela BANKIER, Europäische Kommission, DG Justice, Abteilung Programme und finanzielles Management, Brüssel
  • DI Franz NEUNTEUFL, IGO, Wien (Moderation)

Ein Ausblick auf die rumänische Ratspräsidentschaft aus zivilgesellschaftlicher Sicht von Iuliana RADA, Civil Society Development Foundation, Bukarest.

Donnerstag, 22. November 2018

Die EU bezeichnet sich selbst als Wertegemeinschaft und räumt in Artikel 2 den Rechten und Werten im EU Vertrag, – „Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte“ einen prominenten Platz ein. Jedoch werden in Europa die Rechte und Freiheiten zunehmend im Namen von Austerität, Sicherheit oder Terrorismusbekämpfung empfindlich eingeschränkt.

Viel Diskussionsstoff für unsere Expert_innen und Teilnehmer_innen, zu den Themen: Europäische Werte und Politik sowie was tun gegen illiberale Strömungen in der EU. Hier geht’s zur Bildergalerie.

Begrüßung und Eröffnung des zweiten Veranstaltungstages durch

  • Dr. Jörg WOJAHN, Vertreter der Europäischen Kommission in Österreich, Wien
  • Dr. Alexander VAN DER BELLEN, Österr. Bundespräsident, Wien – Videobotschaft
  • DI Franz NEUNTEUFL, IGO, Wien

Panel 1 – Ein Europa für alle: Wie wird aus europäischen Werten europäische Politik?

Disskussionsbeiträge von

  • Mag. Andreas SCHIEDER, design. Spitzenkandidat der SPÖ für die Europawahl 2019, Wien
  • Dr.in Daniela BANKIER, Europäische Kommission, DG Justice, Abteilung Programme und finanzielles Management, Brüssel
  • Dr.in Michaela MOSER, Armutskonferenz, Wien
  • Dr. Frank HEUBERGER, Bundesweites Netzwerk Bürgerschaftliches Engagement, Berlin (Moderation)

Begrüßungsworte von Mag.a Karoline EDTSTADLER, Staatssekretärin im Bundesministerium für Inneres, Wien.

Panel 2 – Klimawandel in der Politik: Was tun gegen illiberale Strömungen in der EU?

  • Dr. Othmar KARAS, Abgeordneter der ÖVP zum Europäischen Parlament
  • Leonore GEWESSLER, Global 2000, Wien
  • Mag.a Verena RINGLER, European Commons, Innsbruck – Wien
  • DI Franz NEUNTEUFL, IGO, Wien

Verabschiedung und Ausblick mit DI Franz NEUNTEUFL von der IGO und Alexandrina NAJMOWICZ, European Civic Forum, Paris.

 

Die in Wien ansässige Europäische Grundrechteagentur (FRA) hat im September die Mitglieder einer von ihr eingerichteten Fundamental Rights Platform zu ihren Erfahrungen mit zivilgesellschaftlichen Handlungsspielräumen befragt. 136 NGOs aus ganz Europa haben an der Onlinebefragung teilgenommen. Ende November wurden beim Colloquium on Fundamental Rights in Brüssel die Ergebnisse veröffentlicht.

Diese zeigen ein ernüchterndes Bild: Die Arbeit von organisierter Zivilgesellschaft wird als zunehmend erschwert empfunden. Die genannten Hindernisse für die tägliche Arbeit sind vielfältig. Diese erstrecken sich von Veränderungen im rechtlichen Umfeld, so im Bereich Steuerwesen und Meinungsfreiheit, über Schwierigkeiten mit Vereins-, Transparenz- und Lobbying-Gesetzen.

Eine chronische Hürde stellt weiterhin der Zugang zu finanziellen Ressourcen dar.

Die befragten Vertreter_innen berichten auch von einer sich verschlechternden Kommunikation zwischen Politik und Drittem Sektor. Diese wirkt sich negativ auf politische Beteiligungsprozesse aus. Beispielsweise hemmen verkürzte Begutachtungsfristen sowie fehlendes Feedback einen Austausch.

Erschreckenderweise erfahren manche Organisationen verbale und online Bedrohungen, sowie körperliche Angriffe und Sachbeschädigungen. Diese Entwicklungen schwächen die tägliche Arbeit der zivilgesellschaftlichen Organisationen. Sichere Rahmenbedingungen sowie „safe spaces“ für den Dritten Sektor sind notwendiger denn je. Nur so kann dieser seiner Rolle nachgehen und weiterhin eine gut funktionierende Demokratie ermöglichen.

Die Umfrage-Ergebnisse und der Jänner-Bericht 2018 von FRA, über die Herausforderungen von Menschenrechtsorganisationen in der EU, weisen auf diese Probleme hin. Beides kann nachgelesen werden unter http://fra.europa.eu/en/publication/2018/colloq-civil-society und Challenges facing civil society organisations working on human rights in the EU

Das globale Netzwerk CIVICUS stellt Österreich für seinen Umgang mit den Grund- und Freiheitsrechten und der Zivilgesellschaft ein schlechtes Zeugnis aus.

CIVICUS, ein globales Netzwerk mit mehr als 4000 Mitgliedern in über 175 Ländern, dokumentiert mit seinem CIVICUS Monitor auf der Grundlage umfangreicher, weitgehend selbst erhobener Daten weltweit die Gefahren für die Entwicklung der Zivilgesellschaft. Die laufend aktualisierten Analysen fließen in Indexwerten für jedes Land zusammen, die CIVICUS in fünf Gruppen unterteilt: offen, eingeengt, beschränkt, unterdrückt, geschlossen. Österreich wurde jetzt von “offen” auf “eingeengt” herabgestuft und findet sich damit in einer Gruppe mit Bulgarien, Polen, Rumänien und vielen anderen ost- und südosteuropäischen Ländern wieder.

CIVICUS begründet die Entscheidung mit Beschränkungen der Grund- und Freiheitsrechte und Angriffen auf die Presse- und Meinungsfreiheit durch die Regierung. Konkret verweist CIVICUS auf die Verlängerung der Frist zur Anmeldung von Versammlungen von 24 auf 48 Stunden – ein Umstand, den auch die österreichischen Rechtsanwälte kürzlich kritisiert haben. Auch die Tatsache, dass sich die neue Regierung einem strukturierten Dialog mit der organisierten Zivilgesellschaft verweigert und Bundeskanzler Sebastian Kurz stattdessen wiederholt abfällige Bemerkungen über Nichtregierungsorganisationen macht, hat sich bis nach Johannesburg, wo CIVICUS seine Zentrale hat, herumgesprochen.

Franz Neunteufl von der IGO, der Interessenvertretung Gemeinnütziger Organisationen, kann die Entscheidung von CIVICUS nachvollziehen: “Unsere Kolleg_innen berichten übereinstimmend davon, dass sich das Gesprächsklima mit der Regierung deutlich verschlechtert hat: Schreiben und Terminanfragen bleiben unbeantwortet oder haben, wenn sie beantwortet werden, keinerlei Konsequenzen”. Auch von Einschüchterungsversuchen am Telefon wird berichtet, so Neunteufl weiter, in einem Ausmaß, wie es das früher nicht gegeben hat: “Viele gemeinnützige Vereine und soziale Unternehmen können ihre wichtigen Leistungen nicht ohne Förderungen und Aufträge der öffentlichen Hand erfüllen. Deshalb wagen sie es jetzt noch weniger als früher, ihre Kritik öffentlich zu äußern.” Dass es, seit die neue Regierung im Amt ist, bei vielen gemeinnützigen Vereinen und sozialen Dienstleistern zu drastischen Kürzungen kam, beweist, dass ihre Sorge nicht unbegründet ist.

Gemeinsam mit CIVICUS und dem Kompetenzzentrum für Nonprofit-Organisationen an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien hat die IGO 2014 erstmals in ihrem “Zivilgesellschaftsindex” die Rahmenbedingungen für die österreichische Zivilgesellschaft wissenschaftlich untersucht. Die Autor_innen kamen damals noch zu einem anderen Ergebnis. Univ. Prof.in Dr.in Ruth Simsa von der WU, die an dem Bericht mitgearbeitet hat: “Vor fünf Jahren gab es aus der Sicht der Befragten die eine oder andere Wolke am Himmel, aber heute sprechen sie von einer dichten Wolkendecke und Schlechtwetter.” Um dieses unter den zivilgesellschaftlichen Organisationen weit verbreitete Unbehagen mit Fakten zu belegen, arbeitet die IGO aktuell gemeinsam mit Ruth Simsa und ihren Mitarbeiter_innen und Student_innen an einer Neuauflage des Berichts, der im Frühjahr 2019 erscheinen wird.

Das Kompetenzzentrum für Nonprofit Organisationen und Social Entrepreneurship der Wirtschaftsuniversität Wien in Kooperation mit der ERSTE Stiftung befragen online die aktuellen Rahmenbedingungen und Entwicklungen der Zivilgesellschaft in Zentral- und Osteuropa. Die Ergebnisse der Erhebung aus 16 Ländern und mindestens 100 zivilgesellschaftlichen Organisationen aus jedem Land sowie aus verschiedensten Tätigkeitsfeldern werden auch in den Zivilgesellschaftsindex 2019 der IGO einfließen.

Hier geht es zum Fragebogen. Bis zum 30. Oktober 2018 gibt es noch die Möglichkeit seine Erfahrungen als VertreterIn der eigenen Organisation in die Studie einzubringen.

In Vielfalt geeint – so lautet seit dem Jahr 2000 das offizielle Motto der Europäischen Union. Wachsende Ungleichheiten, die sich immer weiter öffnende Schere zwischen arm und reich und populistische Politik gefährden diese Einigkeit immer mehr.

Um gesellschaftlichen Spaltungen entgegen zu wirken, hat das European Civic Forum im Februar eine Kampagne mit dem Titel „#MEGA – Make Europe Great for all“ initiiert, die insgesamt über 2 Jahre laufen soll. Dieser liegt die Überzeugung zugrunde, dass nur in einem geeinten Europa unsere gemeinsame Zukunft liegt. In einem eigenen Manifest wird das zukünftige Bild eines demokratischeren Europas gezeichnet, in dem soziale und umweltpolitische Belange vor Wirtschaftsinteressen stehen. Ebenso soll der Fokus auf inklusiven und nachhaltigen Lösungen für die Probleme der Europäer_innen liegen. Zentral ist auch die Forderung an die europäische Politik, aktiv Maßnahmen im Sinne des Zusammenhalts und gegen Ungleichheiten zu setzen. Des Weiteren möchte die Kampagne das Bewusstsein für die Rolle der organisierten Zivilgesellschaft und in der Union stärken.

Im Zuge der Kampagne werden in vielen europäischen Mitgliedsstaaten Events organisiert, die den Austausch zum Manifest und dessen Forderungen vorsehen. Die diesjährige Veranstaltung der IGO, welche im November 2018 unter dem Titel „Beziehungsstatus: Es ist kompliziert. Die organisierte Zivilgesellschaft und die EU“ stattfindet, ist Teil dieser Event-Reihe.