Von der Sanitäterin bis zum Umweltschützer: Österreichs Freiwillige gestalten das Freiwilligengesetz mit

Utl: Ein bisher einzigartiges Partizipationsprojekt des Sozialministeriums geht in die zweite Phase: Freiwillige können online über Prioritäten bei Gesetzesreform abstimmen.

Anfang April startete die IGO – Interessenvertretung Gemeinnütziger Organisationen im Auftrag des Sozialministeriums den Beteiligungsprozess freiwilligenpolitik.mitgestalten.jetzt. Dabei können Freiwillige und Freiwilligenkoordinator:innen Empfehlungen zur Novellierung des Freiwilligengesetzes abgeben. Denn die Freiwillige Feuerwehr, der örtliche Sportverein und der Sprachkurs für Geflüchtete haben eines gemeinsam: Sie alle werden von Freiwilligen getragen. Dieses wichtige Engagement soll nachhaltig bewahrt und gefördert werden. Für eine bestmögliche politische Entscheidung zieht das Ministerium das Wissen der Zivilgesellschaft heran. Nach einer inhaltlichen online Diskussion geht der Beteiligungsprozess nun in eine zweite Phase der Abstimmung über die entstandenen Empfehlungen.

Zivilgesellschaft diskutiert Freiwilligenförderung

188 Expert:innen verschiedenster Organisationen haben sich bisher auf der Plattform registriert und 26 Handlungsempfehlungen erarbeitet und diskutiert. Einig sind sie sich beim Verbesserungspotential der Freiwilligenförderung. Die Empfehlungen reichen von der steuerlichen Absetzbarkeit von Investitionen für die Freiwilligentätigkeit bis zur Einrichtung einer Koordinationsstelle für Freiwillige und deren Organisationen.

Gregor Jakob-Feiks, Leitung der Involvierung und Freiwilligenarbeit der Caritas, bringt die Erfahrung von über 50.000 Freiwilligen ein: „Gerade in der Pandemie und der Ukraine Krise haben wir erlebt, wie vielfältig und wirksam Freiwilligenarbeit ist. Die Rahmenbedingungen für dieses Engagement müssen aber dringend verbessert werden. Ein wichtiger Schritt im Sozial- und Gesundheitsbereich wäre die stärkere Anerkennung von Kosten der Freiwilligenkoordination in Leistungsverträgen mit Bund, Ländern und Gemeinden.“

Prof. Ewald Sacher, Präsident der Volkshilfe Österreich fordert: „Die Wertschätzung der enormen Leistungen ehrenamtlich Engagierter soll kein Lippenbekenntnis bleiben, sondern sich in einer realen Verbesserung der Bedingungen für diese Beschäftigung niederschlagen. Engagement verdient einen rechtlichen Rahmen, der auch eine österreichweite Versicherungslösung beinhaltet.”

Sophia Stanger, Projektleiterin von WeltWegWeiser, Servicestelle für internationale Freiwilligeneinsätze: „Das Freiwilligengesetz legt die Rahmenbedingungen für vielfältiges Engagement fest – deswegen muss es am Puls der Zeit sein. Wir erwarten uns Verbesserungen für Freiwillige, die sich für mehrere Monate in einem Sozialprojekt im Ausland engagieren. Das beinhaltet eine Anpassung der Fördersummen an die hohe Inflation und eine Krisenfallregelung. Außerdem ist wichtig, dass sich zivildienstpflichtige Männer ihren Freiwilligeneinsatz weiterhin als Zivildienst anerkennen lassen können.“

„Mit der Reform des Freiwilligengesetzes werden die Rahmenbedingungen unserer Arbeit neu gestaltet. Wir freuen uns sehr über den partizipativen Prozess, in den wir uns gemeinsam mit vielen anderen zivilgesellschaftlichen Initiativen und Freiwilligenorganisationen aktiv eingebracht haben.“ so Magdalena Plöchl, Verein dieziwi. – Die Zivilgesellschaft wirkt.

Die Relevanz von Beteiligungsprozessen betont IGO Geschäftsführer Franz Neunteufl: „Wir setzen uns seit Jahren für eine strukturierte und verbindliche Beteiligung unserer Mitglieder an der sie betreffenden Rechtsetzung ein. Wir hoffen, dass diese Form der Beteiligung so zur selbstverständlichen guten Praxis in der Politik und der Verwaltung wird.“

Romy Grasgruber-Kerl, zuständig für die technische Umsetzung und Gründerin des mitgestalten Partizipationsbüro, ist mit den Ergebnissen zufrieden: “Besonders freuen uns die konstruktiven Beiträge auf freiwiligenpolitik.mitgestalten.jetzt. Daran sieht man, dass sachliche Debatten online durchaus möglich sind.”

 

 

 

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