Wie jede*n einzelne*n von uns, stellt die COVID-19 Krise auch die Qualität der Zusammenarbeit und Solidarität unter den gemeinnützigen Organisationen und ihren Verbänden und Netzwerken auf die Probe. Die IGO spielt dabei eine zentrale Rolle.

In Österreich gibt es über 120.000 Vereine und mehrere tausend gemeinnützige Kapitalgesellschaften (GmbH) und Stiftungen. Viele davon, aber längst nicht alle, sind in Verbänden und Netzwerken zusammengeschlossen, in der Hoffnung, gemeinsam mehr zu erreichen, als alleine. So divers und verschieden, wie die gemeinnützigen Organisationen, sind auch ihre Interessenvertretungen: so hat jede “Branche”, also Soziales, Gesundheit, Kinder, Jugend, Bildung, Kultur, Umwelt usw. mindestens einen, in den meisten Fällen sogar mehrere Verbände und Dachorganisationen.

Zu der von der IGO im Oktober 2015 organisierten “Ersten Österreichischen Dachverbandskonferenz des Dritten Sektors” waren mehr als 70 Verbände und Netzwerke geladen, etwa die Hälfte von ihnen hat auch daran teilgenommen. Etwa ein Dutzend von ihnen hat ein Jahr später das BÜNDNIS FÜR GEMEINNÜTZIGKEIT gegründet. Inzwischen ist das BÜNDNIS auf 19 Mitglieder und Partner*innen angewachsen.

Mit dem Anfang 2020 von der türkis-grünen Regierung präsentierten Regierungsübereinkommen kann das BÜNDNIS auf seinen bisher größten Erfolg verweisen: viele seiner Vorschläge zur Förderung zivilgesellschaftlichen Engagements und gemeinwohlorientierter Arbeit für die Gesetzgebungsperiode 2019-2024 wurden fast 1:1 in das Regierungsprogramm übernommen.

Die Hoffnung der BÜNDNIS-Mitglieder, dass es in den kommenden Wochen und Monaten gemeinsam mit den jeweiligen, sachlich zuständigen Minister*innen und ihren Ressorts an die Umsetzung der Maßnahmen geht, wurde jetzt durch die COVID-19 Pandemie und den dadurch ausgelösten Krisenmodus in der Regierung zunichte gemacht.

Vielmehr wurde sehr rasch klar, dass auch gemeinnützige Organisationen massiv von den Folgen der Pandemie und den von der Bundesregierung gesetzten Maßnahmen zu ihrer Eindämmung betroffen sind: immerhin arbeiten in diesem “dritten” Sektor circa 250.000 Menschen und 2,3 Millionen Freiwillige, die unverzichtbare Leistungen im Bereich der Daseinsvorsorge, für die Umwelt und für den sozialen Frieden in Österreich erbringen. Das Ausbleiben von Spenden und Sponsoring und die Unmöglichkeit, vereinbarte Leistungsverträge und Fördervereinbarungen zu erfüllen, bei gleichzeitig in der Regel fehlenden Rücklagen, bringt viele Vereine und soziale Unternehmen sehr rasch an den Rand der Existenz.

Derzeit sind die einzelnen Verbände und das BÜNDNIS FÜR GEMEINNÜTZIGKEIT bemüht, die absehbaren Auswirkungen der Krise auf ihre Mitglieder zu evaluieren und geeignete Maßnahmen zur Sicherstellung des Fortbestands der am stärksten betroffenen Organisationen und ihrer Leistungen zu identifizieren. Im Dialog mit Parlamentarier*innen aller Parteien, den Kabinettsmitgliedern und Beamt*innen der zuständigen Ministerien – in der Hauptsache sind das das Sozial-, Kultur-, Arbeits-, Außen- und Finanzministerium – wird versucht sicherzustellen, dass die Anliegen und Bedarfe der gemeinnützigen Organisationen angesichts der vielen gesamtwirtschaftlichen und -gesellschaftlichen Probleme, die jetzt eine rasche Antwort verlangen, nicht untergehen.

Die IGO bietet sich dabei wie kein anderes Mitglied im BÜNDNIS FÜR GEMEINNÜTZIGKEIT dafür an, die Koordination und Sprecherrolle zu übernehmen und den Informationsfluss und Austausch unter den Mitgliedern sicherzustellen: ihre Statuten enthalten keinerlei Einschränkung auf eine bestimmte “Branche”, bestimmte Organisationen oder bestimmte Berufsgruppen, sondern halten sie dazu an, ihre Leistungen für den gesamten Sektor zu erbringen.

Einen Haken hat die Sache aber: während die klassischen Sozialpartner, die manche Beobachter vor noch gar nicht so langer Zeit für verzichtbar hielten, jetzt wieder Hochkonjunktur haben und gemeinsam mit der Regierung am Tisch sitzen, um geeignete – bestimmt wichtige – Maßnahmen zu Gunsten ihrer Mitglieder zu vereinbaren, stehen die IGO, steht das BÜNDNIS FÜR GEMEINNÜTZIGKEIT und stehen ihre Mitglieder (wie ein bekannter Baumeister beim “Kaiser von Österreich”…) “draußen vor der Tür”. Von den nicht vorhandenen Ressourcen für eine beständige und nachhaltige Interessenvertretung ganz zu schweigen.

Aber vielleicht ist das ein Umstand, den es jetzt, als Konsequenz der Krise, gelingt gemeinsam zu ändern. Zeit wär’s.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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